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Der Richtige Gitarrenlehrer

Der richtige Gitarrenlehrer

Etliche Eltern, die ihr Kind an einer Musikschule anmelden wollen, denken oft dass alle Instrumentallehrer irgendwie „gleich“ sind.
Man könnte auch sagen „austauschbar“.

Liebe Eltern, dem ist NICHT so !!!!

(Das gilt natürlich auch für Nicht-Eltern)

Natürlich haben die meisten Lehrer an städtischen Musikschulen ein Diplom oder einen Bachelor- bzw. Masterabschluss und beherrschen ihr Instrument. Das bedeutet aber nicht, dass alle Lehrer gleich gut geeignet sind. Ich will hier niemandem die Lehrfähigkeit absprechen, aber ein effektiver, motivierender Unterricht, der gleichzeitig noch Spass macht benötigt noch andere Vorraussetzungen: Es sollte eben auch menschlich passen.
Nicht für jeden Schüler ist der strenge Herr oder Frau XY, der/die sein Programm durchzieht der optimale Dozent. Ebenso kann es natürlich sein, dass ein Schüler eher einen „Tritt in den Arsch“ braucht, natürlich nur im übertragenen Sinn. Bei dem einen Schüler muss man öfter was Neues ausprobieren um ihn bei Laune zu halten, bei einem anderen kann es aber von Vorteil sein man bleibt so lange bei einer Sache bis es zu 100% sitzt. Als Lehrer ein Gefühl dafür zu bekommen, wie man einen Schüler richtig anpacken muss, kann schon einige Wochen in Anspruch nehmen.

Der Guitar-Hero als Lehrer

Ebenso wenig ist es von Vorteil wenn der Lehrer vor einem sitzt und alle möglichen „übelst krasse“ (Schülersprache)  Licks und Solis abdrückt. Das ist meistens sehr beeindruckend, es bringt nur nichts wenn er keinen Plan hat, wie er das dem Schüler vermitteln soll bzw. warum überhaupt. Manchmal ist das für den Schüler auch mehr frustrierend als motivierend und vermittelt mehr das Gefühl „Oje, das bekomme ich ja nie hin…“
Ich selbst mach sowas auch ganz gerne, aber ich versuche dann etwas zum Besten zu geben wovon ich glaube, dass es den Schüler motiviert und für ihn auch in nächster Zeit machbar sein wird.

Auch das Repertoire ist so eine Sache. In der Klassik mag es sinnvoll sein, ein seit Jahrzehnten bewährtes Programm in den ersten Unterrichtsjahren abzuarbeiten. Bei Musikarten wie Pop oder Rock ist es aber ungleich schwerer ein adäquates Programm anzubieten, da diese Art von Musik doch eine kürzere Lebensdauer hat und daher das Lehrprogramm immer wieder überarbeitet werden muss, um bei den Schülern auch die nötige Motivation aufrecht zu erhalten.

Vor allem die E-Gitarre ist von diesem Thema betroffen: Die Spieltechniken und technischen Neuerungen bei E-Gitarren, Verstärkern und Effekten verändern sich alle paar Jahre und es ist manchmal wirklich schwierig, immer auf dem Laufenden zu bleiben: Hatte man in den 60ern mehr oder weniger zwischen Strat und Les Paul, Marshall und Orange zu wählen und dann vielleicht noch ein Wah-Wah-Pedal und ein Delay, dann war das schon ordentlich. Mittlerweile sind, vor allem durch die Digitaltechnik, die Möglichkeiten der Klangerzeugung mit der E-Gitarre beinahe unübersichtlich: 6-, 7- oder 8-Saitige Gitarren, dropped Tunings, Whammybar, digitale Effekte usw.

Auch die Spieltechniken der momentanen „Guitarheroes“ ändern sich alle paar Jahre. Hört man sich Gitarristen wie z.B. Tosin Abasi von der Band „Animals as Leaders“ an, so hofft man als Gitarrenlehrer fast schon, dass kein Schüler danach fragt…
Ich müsste bei dem Thema 8-saitige Gitarre zumindest im Moment die Segel streichen, aber vielleicht hab ich die nächsten Monate mal Zeit mich damit zu beschäftigen 🙂

Natürlich soll man als E-Gitarrenlehrer trotzdem alles können, und das natürlich immer, 365 Tage im Jahr!
Egal ob Rock, Metal, Blues, Country, Jazz, egal ob Steve Vai, Joe Satriani, Jimi Hendrix, Allan Holdsworth, Stevie Ray Vaughan, Eric Clapton, Eddie van Halen, Buckethead, Slash, Carlos Santana, Albert Lee, Brian Setzer, Joe Pass, Pat Metheny usw usw (die Liste ist verdammt lang). Vom E-Gitarrenlehrer wird verlangt dass er alles kann. (könnte unter Umständen etwas schwierig werden).

Wenn man sich das mal überlegt wird sehr schnell klar, dass Gitarrenlehrer nicht gleich Gitarrenlehrer ist. Die musikalischen Prioritäten sind bei jeder Musikart anders: Jazz zu spielen ist anders als AC/DC, das fängt schon mit dem Equipment an. Jeder Lehrer hat natürlich seine eigene musikalische Identität und das ist auch gut so. Es gibt den Jazzer, den Rocker, den Blueser, den Shredder und noch ein paar mehr die mir gerade nicht einfallen. Man sollte sich dann auch den Lehrer suchen, der am besten zu den eigenen musikalischen Interessen passt.

Andere Schüler, andere Interessen

Natürlich weiss man bei einem 8- oder 9- jährigen noch nicht wohin die Reise einmal gehen wird, aber wenn schon gewisse musikalische Präferenzen wie z.B eine Vorliebe für Papa’s Rock-CD Sammlung erkennbar sind (ich hab gerade nen 9-jährigen der voll auf Metallica abfährt !!!) dann sollte man auch daran denken, dass für so ein Kind ein reinrassiger Jazzgitarrist vielleicht nicht die beste Wahl ist. Gerade bei jüngeren Schülern gibt es oftmals eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Da will jemand unbedingt sein Lieblingslied inklusive anspruchsvollem Gitarrensolo lernen, aber die Finger sind zu klein oder die technischen Hürden noch zu gross. Dann gibt es die Möglichkeit zu sagen „Du bist noch nicht so weit“, was den betreffenden Schüler natürlich frustrieren kann, oder man ändert das Ganze ein wenig ab, vereinfacht z.B. die Akkorde und das Solo oder lässt eine Teil erstmal weg. Die Frage ist natürlich welcher Weg der bessere ist, und natürlich hat da jeder Lehrer seine eigene Meinung.

Ebenso bei Schülern, die „so ein bisschen Lagerfeurmusik“ lernen wollen um sich selbst beim Singen zu begleiten. Es geht dann nicht nur darum die benötigten Akkorde und Schlag- oder Zupftechniken zu vermitteln, sonder auch darum zu erkennen, warum der Schüler z.B. ein Problem beim Mitsingen hat, d.h. gegebenenfalls einfachere Techniken einzubringen oder die Tonart zu ändern, damit es dem Schüler möglich ist, sein Lieblingslied zu spielen und gleichzeitig zu singen, auch wenn das Original auf CD noch etwas „anders“ klingt. Die Motivation bleibt dann aber meistens erhalten.

Was tun?

Ihr seht also, es ist nicht ganz einfach den richtigen Gitarrenlehrer zu finden, aber es ist auf jeden Fall nicht ratsam, einfach zur nächstbesten Schule zu gehen, weil der Weg dorthin am kürzesten ist oder weil die Bushaltestelle so günstig liegt. Daher kann ich nur allen Menschen, die darüber nachdenken Gitarre zu lernen, empfehlen sich verschiede Lehrer anzuschauen, sich über sie zu informieren (Stichwort Internet) und mit ihnen persönlich zu reden um sich ein Bild machen zu können, welcher Lehrer der richtige sein könnte. Jeder ambitionierte und seriöse Kollege wird kein Problem damit haben, euch ausführlich Rede und Antwort zu stehen. Und gegebenenfalls müsst ihr eben ein paar Kilometer mehr in Kauf zu nehmen.

Es lohnt sich aber…

In diesem Sinne
Keep on rockin‘

Euer Alex

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